Uli Hoeneß wird heute 60 Jahre alt; meinen herzlichen Glückwunsch!
Mit dem Geburtsort Ulm (und eben nicht dem bayerischen Neu-Ulm) ist er ein gebürtiger Baden-Württemberger Schwabe und - anders als sein Freund Paul Breitner - kein gebürtiger Bayer. Gelernter und gelebter Bayer sowie Bayer aus Neigung und Vereinszugehörigkeit ist er dagegen sehr wohl.
Er war als Spieler (Außenbahn-Stürmer) besonders, glänzte vor allem durch seine Schnelligkeit und seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Seine sportliche Karriere fiel in die 70er Jahre. 1970 kam er (zusammen mit Paul Breitner) als 18jähriger zum FC Bayern München. Er wurde dort auf Anhieb Stammspieler und schaffte 1971 den Sprung in die Nationalmannschaft.
Mit den Bayern wurde er 3 x deutscher Meister (1971/72, 1973/73, 1973/74) und auch 3 x Sieger im Europacup der Landesmeister (1974, 1975 und 1976) dem Vorläufer der heutigen Champions League. Zusammen mit Gerd Müller bildete er in dieser Zeit ein Sturmduo mit einer sagenhaften Torausbeute, das national und international Spitze war.
Mit der Nationalmannschaft gewann Hoeneß die Europameisterschaft 1972 und die Weltmeisterschaft 1974. Beim Viertelfinal-Auswärtsspiel der EM im (alten) Wembley-Stadion besorgte er das 0:1 beim ersten Auswärtssieg einer deutschen Nationalmannschaft in England (Endstand 1:3).
Wenn er als Spieler etwas nicht wirklich gut konnte, dann wohl Elfmeter. Einen hat er bei der WM 1974 im Spiel gegen Schweden (zum 4:2-Endstand) verwandelt; einen im Spiel gegen Polen (beim Spielstand von 0:0) verschossen, weshalb im Endspiel gegen Holland dann sein Kumpel Breitner den Elfmeter zum 1:1-Ausgleich schießen durfte. Der berühmteste Elfmeter in seiner Laufbahn war aber der Fehlschuss in den Nachthimmel von Belgrad im Elfmeterschießen des Endspiels der Europameisterschaft 1976. Dieser verschossene Elfer versaute der deutschen Mannschaft die Euro 1976 („...und wir fragen uns verdrossen, ja wer hat ihn denn verschossen? 76 vergessen wir nie“).
1975 zog Uli Hoeneß sich im Europacup-Finale gegen Leeds United eine schwere Knieverletzung zu, von der er sich leider nie mehr ganz erholen konnte. Das Karriereende zog sich zwar eine Weile hin; praktisch lief seine Zeit aber spätestens in der Saison 1977/78 ab; Verlust des Stammplatzes beim FC Bayern, Ausleihung nach Nürnberg, wo er dann sogar einen Abstieg mitmachen musste, und endgültiges Karriereende 1979 mit nur 27 Jahren.
Von 1979 bis 2009 war er dann Manager des FC Bayern München; wirtschaftlich überaus erfolgreich, als Sportmanager aber nicht unumstritten. Seine Personalpolitik war insgesamt weniger langfristig und strategisch angelegt, als mehr auf die Zukäufe „fertiger“ Spieler und nationaler und internationaler Stars. Die Wirtschaftskraft des FC Bayern hat da etliche Mängel überspielen können.
Und mehr als umstritten waren (und sind) natürlich seine diversen, gerne über eine bestimmte Boulevardgazette angezettelten Kampagnen und „Nervenkriege“ gegen gegnerische Spieler, Schiedsrichter und andere Vereine, die häufiger schon einmal die Grenzen von Anstand und sportlicher Fairness überschreiten. Recht behielt er allerdings in der Streitfrage um Christoph Daums Drogenkonsum, wo es eine Zeit lang nach „Uli gegen den Rest der Welt“ aussah.
Lobenswert ist das Eintreten von Hoeneß für verbindliche internationale (europäische) wirtschaftliche Spielregeln gegen das Gebaren vor allem spanischer, italienischer und neuerdings russischer und arabischer Finanzabenteurer im Fußball. Lobenswert auch seine wiederholt deutlichen Worte in Richtung der FIFA und ihres schier unsäglichen Präsidenten.
Nicht abzusprechen ist ihm auch seine durchaus vorbildliche soziale Haltung, die er häufig bewiesen hat, über die er sich aber nur selten und eher ungern öffentlich verbreitet.
Und was auch für ihn spricht: Er ist zweifellos ein im positiven Sinn Fußballbekloppter, der zu 150% an „seinem“ Verein hängt.
Inzwischen ist er bekanntlich Präsident des FC Bayern. Ob das Präsidiale, zu dem ja auch eine gewisse Distanz und Gelassenheit gehören, so ganz seine Sache ist? Aktuell wohl eher - noch? - nicht.
Und in Zukunft? – Schau‘n mer mal ...
Zum Schluss: Wenn schon zum Jubeltag „ein bisschen Friede“, dann aber auch „ein bisschen Freude“:

Uli Hoeneß und Paul Breitner 1973.